Bewerbertipps

Tipp 1: Ein lockerer Start ist die halbe Miete.

In den ersten Minuten entscheidet unser Gehirn, ob uns ein fremdes Gegenüber sympathisch ist oder nicht. Diesen ersten Eindruck kann man durchaus positiv steuern: Natürliches Auftreten, Blickkontakt, ein fester Händedruck und ein bisschen Small Talk reicht meistens für einen gelungenen Start. Ganz wichtig: Bleiben Sie natürlich! Am Anfang kann es ruhig auch mal ums Wetter gehen. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um Ihre eigene Nervosität in den Griff zu bekommen und um einen ersten guten Eindruck zu hinterlassen.

Tipp 2: Ein bisschen Nervosität ist OK.

Echte Angst ist nie ein guter Ratgeber. Aber das Lampenfieber zu einem guten Auftritt gehört, wird Ihnen jeder Bühnenprofi bestätigen. Denn erstens ist Adrenalin ein körpereigener Wachmacher, der Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit steigert. Zweitens sind Sie nicht der erste Bewerber, der vor dem Vorstellungsgespräch nervös ist; Personalchefs rechnen damit und werten eine leichte Nervosität sogar als Zeichen, dass Sie die Sache ernst nehmen. Drittens haben Sie keinen Grund, nervös zu sein, denn Sie wissen ja, was kommt und sind bestens vorbereitet. Vermeiden Sie auf jeden Fall nervöse Spielereien mit dem Kugelschreiber, Ihren Arbeitsunterlagen oder Ihrer Kleidung, das irritiert und wirkt unprofessionell.

Tipp 3: Reden ist Gold.

Halten Sie sich im Interview nicht vornehm zurück und glauben Sie nicht, dass Ihr Gegenüber schon alles über Sie weiß. Zeigen Sie, was in Ihnen steckt. Erzählen Sie mit Begeisterung über Beispiele, präzise Fakten und Zahlen, Erfolge, Highlights, Projektdetails. Je detaillierter, desto besser. Also nicht: „Ich habe da Dispo gemacht… “, sondern „Ich habe mit einem kleinen Team die Disposition für 120 LKW und 140 Fahrer übernommen, spezialisiert bin ich im Europaverkehr, da habe ich dank meiner drei Fremdsprachen praktisch für alle Länder disponiert, auch Benelux und die Nordstaaten und natürlich Osteuropa. Das hat richtig Spaß gemacht!“ Das hört sich doch gut an, oder?

Tipp 4: Untertreiben ist auch gelogen.

Aber: Bluffen Sie nicht, das merkt der Personalmanager. Nennen Sie sich nicht Managing Director, wenn Sie in einem Zweimannbetrieb gearbeitet haben. Nennen Sie sich nicht Projektleiter/In, wenn Sie keine Mitarbeiter geführt haben. Und: Schmücken Sie sich nicht mit den Erfolgen anderer.

Übertreiben ist gelogen. Merke aber: Untertreiben ist auch gelogen. Wer im Vorstellungsgespräch nicht sagt, was er kann und wichtige Leistungen und Fähigkeiten aus falscher Zurückhaltung verheimlicht, der lügt genauso. Er schadet nicht nur sich selbst, sondern auch dem Personalmanager, denn dieser kann nicht erkennen, dass er einen kompetenten, erfahrenen Mitarbeiter vor sich hat. Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel!

Tipp 5: Schwächen können Stärken sein.

Personalmanager stellen gern die Frage nach Ihren Stärken und Schwächen. Behaupten Sie nicht, keine Schwächen zu haben, sondern wandeln Sie Schwächen in Stärken um. Das geht so: Als Buchhalter sind Sie furchtbar pingelig und auch bei Ihren Freunden als Pedant verschrien. Als Außendienstler hassen Sie lange Bürozeiten und halten es nach nur einem Tag Rumsitzen nicht mehr aus. So werden ihnen die vermeintlichen „Schwächen“ als für Ihre zukünftige Position nützliche Stärken angerechnet.

Tipp 6: Haben Sie noch Fragen?

Diese Frage wird Ihnen Ihr Interviewpartner mit Sicherheit zum Schluss stellen. Sie haben natürlich Fragen: Fakten zu Firma und Organisation, die Sie auf der Webseite nicht gefunden haben, Verständnisfragen zur Vision, Perspektivefragen zu Ihrer Abteilung – Seien Sie kreativ aber nicht naiv. Ein Block mit ein paar vorbereiteten Fragen wirkt sehr gut. Aber bleiben Sie locker und nicht daran kleben.

Tipp 7: Geld stinkt nicht.

Niemand spricht gerne über Geld – aber im Vorstellungsgespräch werden Sie nicht darum herumkommen. Wer bei der Frage nach dem Gehalt keine klare Antwort geben kann, zeigt dem Personalmanager: Ich bin mir nicht so richtig sicher – entweder, ob ich den Job überhaupt bewältigen kann oder ob ich meine eigenen Fähigkeiten und meinen Marktwert kenne. Beides bringt keine Bonuspunkte.

Am besten äußern Sie klar, was Sie im Jahr verdienen wollen; dann liefern Sie die Begründung für Ihren Gehaltswunsch. Wer hier einfach nur lapidar auf einen Branchendurchschnitt verweist oder seine Kosten anführt, wird sein Wunschgehalt kaum durchsetzen. Das Unternehmen will wissen, was der Bewerber kann, welche Qualifikationen er hat und welchen Nutzen er einbringt. Kurz: Ob er sein Geld wert ist. Verkaufen Sie sich richtig, dann gehen Sie zufrieden aus den Gehaltsverhandlungen heraus.

Tipp 8: Nicht zur Türe raus ohne Termin.

Wenn Ihnen die Stelle gefällt, dann sagen Sie das ruhig. Das ist keine Anbiederei, sondern Sie demonstrieren damit Motivation und Begeisterungsfähigkeit. Und ohne präzise Vereinbarungen zum weiteren Vorgehen sollten Sie sich nicht abspeisen lassen. Klären Sie ab, wer wem, wann und wie Bescheid sagt. Wenn Sie bis Montag 15 Uhr anrufen wollen, dann melden Sie sich nicht erst am Donnerstag per E-Mail. Wenn die Firma bis Donnerstag Bescheid geben will, dann rufen Sie am Freitag an, wenn Sie nichts gehört haben.

Tipp 9: Eine Frage der Höflichkeit.

Planen Sie Ihre Anreise so, dass Sie einen zeitlichen Puffer haben. Wenn Sie dann zu früh sind, warten Sie in der Nähe des Gebäudes: Eine halbe Stunde vor der Zeit ist nur eine andere Form von Unpünktlichkeit. Pünktlich und entspannt ankommen trägt zu Ihrer Sicherheit und Gelassenheit bei.

Wenn Ihnen der Kleidungsstil nicht von Mitarbeitern des Unternehmens bekannt ist, gilt im Zweifelsfall: lieber ein bisschen zu gut als ein bisschen zu leger gekleidet. Das zeugt von Respekt und entspricht der Bedeutung des Anlasses. Es geht ja schließlich um die nächsten paar Jahre Ihres Lebens. Aber auch keine modischen Extravaganzen: Kleiden Sie sich Ihren Aufgaben und Ihrer künftigen Verantwortung entsprechend.

Seien Sie höflich von Anfang an, zu Jedermann. Die Dame, die Ihnen im Gang begegnet, ist vielleicht zufällig Ihre künftige Kollegin. Vermeiden Sie Kritik an ehemaligen Arbeitgebern. Auch wenn diese berechtigt ist, kann schnell der Eindruck entstehen, dass Sie eher an Nörgelei als an guten Arbeitsergebnissen interessiert sind. Dass Sie Ihrem Gegenüber nicht ins Wort fallen sollten, ist fast überflüssig zu erwähnen.

Tipp 10 – 100: Vorbereiten, vorbereiten … und vorbereiten.

Genie ist Fleiß und jedes Interview hängt vor allem von Ihrer Vorbereitung ab. Informieren Sie sich über Ihren zukünftigen Arbeitgeber. Nehmen Sie die Firmenwebseite in Augenschein, recherchieren Sie in Internet und Zeitung, formulieren Sie eigene Fragen, die zeigen, dass Sie sich mit Produkt und Branche beschäftigt haben und interessiert sind.

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